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Die Erforschung des Ostdeutschen

Eine fremde Spezies in den Massenmedien der 90er Jahre

Die Ostdeutschen in den Medien

Die Ostdeutschen in den Medien, © Leipziger Universitätsverlag

Im Rahmen des deutsch-österreichischen Projekts "Ost-Diskurse" richteten Wissenschaftler, die an den verschiedensten Hochschulen in Wien, Jena, Berlin und München tätig sind, ihren Blick auf die Medien-Berichterstattung über Ostdeutschland vor und nach den Ereignissen 1989/90 und machen in dem Band "Die Ostdeutschen in den Medien. Das Bild von den Anderen nach 1990" sichtbar, wie die westdeutschen Medien das Bild der Ostdeutschen bestimmen und wie die Schaffung eines Konstrukts in bundesdeutschen Medien funktioniert.

Mit der Maueröffnung und dem Zusammenbruch der DDR-Diktatur war es der westdeutschen Bevölkerung und den Westmedien erstmals möglich, Ostdeutschland und die Ostdeutschen "ungehindert zu erforschen", sowohl in ihrer "heimischen Umgebung" als auch bei der "Eroberung des Westens".

Mit diesen ethnologischen Begriffen beschreiben Thomas Ahbe und Rainer Gries in ihrem Vorwort die Ausgangsbedingungen, wie sie sich nach der Grenzöffnung für einige darbot. So ist es auch nicht verwunderlich, dass man dabei von "den anderen Deutschen und dem anderen Deutschland" ausging. Gerade da setzen die in diesem Sammelband vereinten Aufsätze an. Sie gehen dabei folgenden Fragen nach Wie haben vor allem westdeutsche Medien ihr Bild von den Ostdeutschen geschaffen, wie hat sich das Bild verändert und wie wirkt das Bild bis heute in der gesellschaftlichen Diskussion? und zeigen, wie die Ost-Diskurse verschiedener westlicher Medien dazu beitrugen, das heutige Wissen über Ostdeutschland und Ostdeutsche herzustellen.

Besonders überregionale und meinungsführende Printmedien wie "Bild", "Süddeutsche Zeitung", "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und der "Spiegel" stehen im Zentrum der Analyse sowie ihre Art, das Reden und Denken über Ostdeutschland zu bestimmen. Das Darstellung reicht von hilflosen Landsleuten, auf die herabgesehen wird über die Anerkennung als aktive Gestalter bis zur Angst vor möglichen Konkurrenten. Aber immer erscheinen die Ostdeutschen als die Anderen in einem negativen Sinne und das auch Jahre nach der Wiedervereinigung. Dieses Bild wird durch die Fernseh-Berichterstattung weiter verstärkt, so beispielsweise durch das ARD-Politmagazin "Kontraste", wie Julia Belke mit ihrem Aufsatz zeigt.

Für ihre Beiträge sind die Wisenschaftler in die Archive der Zeitungen und Fernsehkanäle gegangen, haben herausgesucht, was zum Thema "Ossi" (und "Wessi") wann und wie veröffentlicht wurde und haben die unterschiedlichen Sichtweisen der Medien auf das Thema verglichen. Eine wesentliche These hat sich dabei bei allen Untersuchungen bestätigt: Es sind westdeutsche Medien, die den Diskurs bestimmen. Das Bild von Ostdeutschland, das dabei vermittelt wird, ist geprägt von einseitiger Berichterstattung über die schlechte wirtschaftliche und soziale Lage, Kriminalität und (rechtsradikale) Gewalt, Arbeitslosigkeit und die Bewältigung der DDR-Vergangenheit, vor allem der gesamte "Stasi-Komplex".

Und auch wenn in einigen Medien über die Jahre eine Veränderung des Bildes nachweisbar ist, in der Gesamtschau wirken die Stereoptype auch zwanzig Jahre nach dem Mauerfall. Nicht nur deshalb sollte sich eine wissenschaftliche Erinnerung an die Ereignisse des Jahres 1989 laut Wolfgang Schmale durch Dekonstruktion der Diskurse auszeichnen.

 Ellen Koth

Thomas Ahbe, Rainer Gries, Wolfgang Schmale (Hgg.): Die Ostdeutschen in den Medien. Das Bild von den Anderen nach 1990. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig, 2009.

217 Seiten, 24, 00 €, ISBN 978-3-86583-391-4

 

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